Ein Haudegen wie er im Buche stand – Bernhard Petruschke machte auch nach dem Krieg in der DDR nochmals Karriere im Rennsport.

Der stärkste Fahrer der DDR in den frühen 1950-er Jahren

Mit der Drehschieber ZPH von Daniel Zimmermann hatte „Petrus“ 1950 seine ersten Erfolge eingefahren. Im Jahr darauf ging es nun darum, die Standfestigkeit weiter zu verbessern. Die stärksten Herausforderer waren in dieser Saison IFA-DKW mit dem erfahrenen Piloten Erhart Krumpholz und dazu der Berliner Jochen Seidel. Letzterer war wie Bernhard mit einem Eigenbau namens „JSB“ unterwegs. Basis dafür war eine frisierte 125 cm³ Puch, gebaut von 1940 bis 1950 in einer Stückzahl von rund 40’000 Exemplaren. Eine technische Besonderheit dieses Fabrikats war der Einzylinder-Doppelkolben Motor. Noch gefährlicher als Seidel waren natürlich bei international ausgeschriebenen Rennen Fahrer wie Hermann Paul Müller und weitere Westdeutsche. Meist verfügten diese Piloten in der Regel über deutlich besseres Material als die Männer aus der DDR.

H. P. Müller im Jahr 1935 auf der DKW, entwickelt und gebaut in Zschopau. Er war auch in den Nachkriegsjahren einer der dominierenden Fahrer in den kleineren Klassen. In den ersten 3 Jahren der seit 1949 ausgetragenen Motorrad-Weltmeisterschaft war er als Deutscher nicht startberechtigt.

Saisonauftakt 1951 – mit einem Paukenschlag
Die zweite Saison Bernhards mit der ZPH konnte erfolgreicher kaum beginnen, als es am 22. April bereits für ihn losging. Beim zur DDR-Meisterschaft zählenden 125 cm³ Rennen auf der Halle-Saale Schleife gewann er auf Anhieb überlegen. Zweiter wurde Andreas Olmann von der Gruppe Motor Chemnitz auf „IFA RP“. Dass seine ZPH im Presse-Bericht danach als IFA-DKW bezeichnet wurde, konnte „Petrus“ egal sein. Es sollen über 200-tausend Zuschauer die 5,625 km langen Strecke umsäumt haben, die ihn als einen der Helden des Tages feierten. Im nächsten Lauf zur DDR Meisterschaft im Stadtpark von Leipzig lief es Bernhard weniger gut. Doch nur ein Jahr später sollte Petruschkes Zeit beim auch „Rund um das Scheibenholz“ genannten Rennen noch kommen.

Teils fuhren die Fahrer mangels besserer Ausrüstung damals sogar mit einem Pullover statt komplettem Lederkombi, wie diese Aufnahme beweist.

Dresdner Autobahnspinne
Anlässlich des Rennens auf der Autobahnspinne von Dresden-Hellerau handelte es sich 1951 um eine Premiere. Die Streckenführung war mit drei Spitzkehren reichlich ungewöhnlich. Ähnlich wie bei Salzburg-Liefering handelte es sich um ein Autobahnteilstück, was damals aufgrund der Breite häufig als Basis für Kurse auf öffentlichen Straßenstücken genutzt wurde. Diesmal war Petruschke wieder im Kampf um den Sieg im 125 cm³ Rennen beteiligt. Am Ende unterlag er jedoch dem Berliner Jochen Seidel mit seiner JSB auf Puch-Basis. Platz 3 ging an den Dresdner Kaute auf DKW. Übrigens stand im Presse-Bericht bei Bernhards Bike erneut IFA-DKW, es wurde in der DDR gerne mal absichtlich geschummelt. Der selektive Umgang mit der Wahrheit war im Arbeiter- und Bauernstaat staatlich verordnet. Heute kennen wir ähnliche Phänomene, nur meistens geht es in unserer Zeit ums Geld.

Streckenkarte der frühen 50-er Jahre der Autobahnspinne Dresden.

Der erste Ausland-Sieg nach dem Krieg
Für die damalige Zeit war der Abstecher ins „sozialistische Bruderland“ Ungarn kein Pappenstiel. Doch Petruschke wagte das Abenteuer einer Reise nach Budapest und nahm am Rennen auf dem Városliget Kurs, im Stadtpark von Budapest der 125 cm³ Klasse teil. Prompt wurde er dafür belohnt und gewann mit seiner ZPH am 1. Juli 1951 sein erstes Auslandsrennen nach dem 2. Weltkrieg. Die Strapazen der Fahrt hatten sich mehr als gelohnt. Nach der Rückkehr gab es einen überschwänglichen Empfang in der Heimat. Berichterstatter Woitina und Bernhard Petruschke erhielten in Ungarn das Motorsportabzeichen in Gold überreicht. Die reichlich schwülstigen Worte im nachfolgenden Auszug aus der Berichterstattung waren in der damaligen Zeit für die DDR völlig normal. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um ein besonders übereifriges Parteimitglied gehandelt haben dürfte, welches vom Abstecher in das Land der Magyaren berichtete.

Ausgang der DDR-Meisterschaft
Die IFA-Konkurrenz mit Erhart Krumpholz als stärkstem Fahrer hatte bei den meisten Rennen immer mehr Probleme, mit „Petrus“ auf seiner Drehschieber-Maschine mitzuhalten. Nach seinem Erfolg in Budapest konnte dieser es verkraften, eine Woche danach beim Schleizer Dreieck leer auszugehen. Das Rennen wurde von Krumpholz vor Harald Linke (Neukirchen) und dem Chemnitzer Andreas Ellmann (alle IFA-DKW) gewonnen. Seidel belegte mit seinem Puch-Eigenbau diesmal Rang 4. In der zweiten Saisonhälfte lief für „Petrus“ nicht mehr alles nach Plan. Der DDR-Meistertitel in der 125 cm³ Klasse ging jedoch trotzdem nicht an einen IFA-DKW Fahrer, sondern Jochen Seidel mit seiner JSB-Puch. Bernhard Petruschke holte sich immerhin den 125 cm³ Vize-Titel, noch vor der besten Zschopauer Maschine. Für die Saison 1952 waren Daniel Zimmermann und Bernhard Petruschke erneut sehr zuversichtlich. Rein vom Speed ihres ZPH genannten Drehschieber-Zweitakter-Eigenbaus her, durften sie dies auch sein. Wichtig war aber auch die notwendige Konstanz, dessen waren sich Fahrer und Konstrukteur durchaus bewusst.

Puch 125 T – – auf dieser Basis entstand Jochen Seidels Eigenbau-Rennmaschine, mit welcher er die Volkseigene IFA auf DKW-Basis in der Saison 1951 in den Schatten stellte.

Die wichtigsten Erfolge der ersten 2 Jahre Petruschkes mit der ZPH

Weiter siehe Teil 3 der Story über Bernhard Petruschke..