Zum 30-jährigen Jubiläum des französischen Rennstalls

Der Franzose Hervé Poncharal ist als Präsident der IRTA ein einflussreicher Mann im MotoGP Paddock. Die Vereinigung der Rennställe hat nebst Dorna und FIM bei vielen Entscheidungen im GP Zweiradsport ein Wörtchen mitzureden. Tech 3 mit Sitz in Südfrankreich ist seit mittlerweile 30 Jahren ein fester Bestandteil des MotoGP-Fahrerlagers. Zum 30-jährigen Jubiläum des französischen Teams gibt es jedoch derzeit nur wenig Anlass zum Feiern. Die Corona-Pandemie überschattet derzeit alles. Doch blenden wir zuerst in die Anfänge seines Rennstalls zurück. Ein durchaus interessantes Kapitel im GP-Rennsport der letzten 3 Jahrzehnte.

Hervé Poncharal (rechts im Bild) 1985 an den 24 Stunden von Le Mans in Rothmans Honda Teamkleidung.

Teamgründung und erstes Jahr als Werksteam mit Yamaha
Das Team, das vom ehemaligen Rennfahrer Herve Poncheral und dem Ingenieur und Landsmann Guy Coulon geführt wurde, nahm 1990 erstmals am Grand Prix Rennsport teil. Die ersten 9 Saisons dieses Jahrzehnts trat das Privatteam mit Bikes von Honda und Suzuki in der 250er-Klasse an. Nach einigen Grand-Prix-Siegen wechselte das Team 1999 zu Yamaha und wurde damit der offizielle Einstieg des Werks in die 250er-Weltmeisterschaft. Die Partnerschaft war ein sofortiger Erfolg. Mit dem Japaner Shinya Nakano gelang 1 GP Sieg und 4 weitere Podiumsplatzierungen, was für WM-Rang 4 reichte. Weltmeister der 250 cm³ Klasse wurde damals Valentino Rossi (Aprilia) vor Tohru Ukawa (Honda) und Loris Capirossi (Honda). Olivier Jacque wurde WM-siebter und gewann das Abschlussrennen der Saison in Argentinien.

Shinya Nakano auf Tech 3 Yamaha vor Teamkollege Olivier Jacque in der 250 cm³ Weltmeisterschaft 2000. Der Entscheid über den WM-Titel fiel erst in der letzten Kurve (© MotoGP).

Der Höhepunkt von Tech 3 mit Gauloises Yamaha im Jahr 2000
Nach der erfolgreichen ersten Saison dominierten die Fahrer Olivier Jacque und Shinya Nakano die Meisterschaft im Jahr 2000 vollständig. Nakano gewann zwei Rennen mehr als Jacque, aber es war der Franzose, der sich im allerletzten Rennen der Saison den Titel sicherte. Er gewann, indem er in Phillip Island seinen Teamkollegen aus der letzten Kurve des letzten Rennens auf der Zielgeraden überholte, um die gekreuzte Flagge in weniger als zwei hundertstel Sekunden vor Nakano zu erreichen. Damit wurde Jacque 250 cm³ Weltmeister, mit um sieben Punkten Vorsprung auf den Japaner.

Shinya Nakano auf Tech 3 Yamaha 500 cm³ – in der Saison 2001 gelang dem Japaner ein hervorragender Einstand in der Königsklasse (© MotoGP).

Der Aufstieg in die 500 cm³ Klasse
Nach ihrem 250-er Doppeltriumph wechselte die französische Equipe auf Yamaha in die Königsklasse. Das Team erhielt vom Werk vollen technischen Support. Und die Erfolge mit dem Fahrerduo aus der mittleren Kategorie konnte sich gleich im ersten Jahr durchaus sehen lassen. Nakano holte ein Podium auf dem Sachsenring und klassierte sich weitere fünfmal in den Top 5. Das Resultat war WM-Rang 5, noch vor Topfahrern wie Carlos Checa (Yamaha), Norick Abe (Yamaha), Alex Crivillé (Honda), Tohru Ukawa (Honda) und Kenny Roberts jun. (Suzuki), dem Vorjahresweltmeister der 500-er Klasse. Olivier Jacque wurde WM-Fünfzehnter, sein bestes Rennen zeigte er mit Platz 5 beim GP von Valencia.

Olivier Jacque auf Tech 3 Gauloises Yamaha – eine durchaus erfolgreiche Paarung. Nach dem Wechsel von der 250 cm³ Klasse in die MotoGP blieben jedoch die ganz großen Erfolge des Franzosen beim Tech 3 Team aus (© MotoGP).

Beginn der MotoGP Ära
Als Kundenteam war Tech 3 im ersten Jahr gegenüber dem Marlboro Yamaha Werksteam im ersten Jahr der MotoGP natürlich benachteiligt. Olivier Jacque holte WM-Rang 10 und lag damit in der Endabrechnung direkt vor Shinya Nakano. Beide Fahrer holten sich je einen 5. Platz in der Debut-Saison 2002 der MotoGP. Für das Folgejahr wurde Nakano durch den Brasilianer Alex Barros ersetzt. Doch mehr als ein dritter Platz beim GP von Frankreich und WM-Rang 9 war auch für Barros 2003 nicht drin. Olivier Jacques bestes Resultat war Rang 4 bei seinem Heimrennen. In der WM wurde er zwölfter. Barros wechselte im Jahr darauf zu Repsol Honda und wurde WM-vierter. Jacque wechselte zu Moriwaki Racing und das Team verpflichtete für 2004 Norifumi „Norick“ Abe und Marco Melandri. Der kleine Italiener kam trotz zwei Podiumsplatzierungen in Barcelona und Assen nicht über WM-Rang 12 hinaus. Mit insgesamt 8 Ausfällen war auch nicht mehr zu erwarten. Abe landete in der WM-Endabrechnung direkt hinter dem Teamkollegen auf Platz 13.

Alex Barros und Marco Melandri gehörten zu den Tech 3 Piloten in den MotoGP Anfangsjahren (© Yamaha Racing).

Viele Fahrerwechsel und die Durststrecke
Auf die Saison 2005 wurden Rubén Xaus und sein spanischer Landsmann Toni Elias verpflichtet. Letzterer fehlte bei 3 Grand Prix, bei welchen er von David Checa ersetzt wurde. Eigentlich konnte man sagen, die Fahrer gaben sich bei Tech 3 zum Saisonende beim Teamwechsel ab 2003 jeweils gegenseitig die Hand. Für 2006 hiess die Fahrerpaarung Carlos Checa und James Ellison. Ein Jahr später wurden die beiden durch Makoto Tamada (JAP) und den Franzosen Sylvain Guintoli ersetzt. Immerhin war das Tech 3 Team seit Einführung der MotoGP 2002 anfänglich und bis 2005 durchaus erfolgreich. Doch bis zur Saison 2007 begann danach eine eigentliche Durststrecke, wie sich an der Team-Wertung in der Weltmeisterschaft gut ablesen ließ:
2002 mit Michelin Reifen: Rang 5
2003 mit Michelin Reifen: Rang 6
2004 mit Michelin Reifen: Rang 6
2005 mit Michelin Reifen: Rang 7
2006 mit Dunlop Reifen: Rang 9
2007 mit Dunlop Reifen: Rang 8

Mit Colin Edwards begann der endgültige Durchbruch für Tech 3 in der Königsklasse des Motorradrennsports (© MotoGP).

Zurück zu Michelin und 2 zweifache SBK-Weltmeister als Fahrerduo
Auf die Saison 2008 kehrte das Team nach 2 Jahren mit Dunlop wieder zu mit Michelin Reifen zurück. Doch viel wichtiger war die Fahrerwahl. Mit US-Boy Colin Edwards und dem Engländer James Toseland begann der endgültige Durchbruch von Tech 3 Yamaha in der MotoGP. Mit den beiden zweifachen Superbike Weltmeistern gelang zweimal in Folge Rang 4 in der Teamwertung. James Toseland landete als MotoGP Rookie insgesamt 6 Mal in den top sechs, bei 4 Nullern. Colin Edwards stand zweimal auf dem Podium und platzierte sich in der WM-Endabrechnung auf Rang 7, noch vor den beiden Suzuki Werksfahrern Chris Vermeulen und Loris Capirossi. In der Saison 2009 schaffte Edwards sogar WM-Rang 5. Als bestes Ergebnis stand bei ihm Rang 2 in Donington Park zu Buche. James Toseland landete dreimal in den top 6 und leistete sich nur 2 Nuller. Damit trug der Engländer einen wesentlichen Teil zur Verteidigung von Platz 4 in der Teamwertung der MotoGP bei.

Insgesamt 4 Stürze kosteten James Toseland in seinem Rookie-Jahr in der MotoGP einen Platz unter den ersten 10 in der WM-Endabrechnung. Bis auf Fiat Yamaha Werksfahrer Jorge Lorenzo mit WM-Rang 4 wurde er als elfter aber trotzdem zweitbester Neueinsteiger 2008 (© MotoGP).

Weiter geht es in Kürze mit Teil 2 und der Zeit ab 2010.