Hoffnung auf die Wende vor der Sommerpause
Vor der achten Runde der Superbike Weltmeisterschaft wächst in vielen Fans von Toprak und auch der Superbike Weltmeisterschaft die Hoffnung auf eine Wende. Nach Bautistas kapitalem Fehler in Runde eins des letzten Rennens von Imola besitzt der kleine Spanier jedoch immer noch ein sattes Polster von siebzig Punkten auf Razgatlioglu als nächsten Verfolger. Aber selbst wenn der Mann mit der Startnummer 54 auf seiner Yamaha sämtliche restlichen 10 Rennen und 5 Sprints gewinnen sollte, kann er sofern Bautista stets zweiter wird, höchstens 65 Punkte aufholen. Zudem ist Alvaro mindestens in den letzten drei Runden auf seiner in Beschleunigung und Topspeed der Konkurrenz haushoch überlegenen Ducati Panigale V4R so gut wie unschlagbar. Schuld daran sind nicht in erster Linie die langen Geraden in Aragon, Portimão und San Juan, sondern die Bevorzugung von Ducati durch FIM und Dorna. Spätestens 2023 wurde jedem neutralen Beobachter klar, dass die Verantwortlichen der WSBK mit jedem zur Verfügung stehenden Mittel der Dominanz von Jonathan Rea auf seiner Kawasaki ZX-10RR ein Ende setzen wollten.
Was Ducati zuerst nicht schaffte gelang Yamaha mit Toprak
Was mit Bautista 2019 auf der MotoGP Replica von Ducati noch kläglich misslang, wurde nach seiner Zeit bei Honda in den zwei folgenden Jahren auf 2022 endgültig wahr. Allerdings erst nachdem Razgatlioglu für Yamaha 2021 den Titel holte. Dabei leistete jedoch die FIM kurz vor Saisonbeginn Schützenhilfe, als deren Kommissare die damals gemeinsam mit der BMW M-1000RR komplett neu aufgelegte Kawasaki ZX-10RR erst wenige Tage vor Saisonbeginn durch ein lächerlich tiefes Limit deren Maximaldrehzahl förmlich kastrierten. Sämtliche Test der Grünen aus der Vorsaison wurden damit auf einen Schlag völlig wertlos. Durch die andere Motorcharakteristik infolge der unerwarteten Drosselung passte fast nichts mehr für die ZX-10RR und bezüglich Übersetzung wie auch Getriebeabstimmung musste improvisiert werden, was oft genug schief lief. Der 6-fache Weltmeister Jonathan Rea musste ungewöhnlich viel Risiko eingehen, um mit der Konkurrenz mithalten zu können und das Resultat davon waren so viele Stürze wie in seinen Kawasaki Jahren davor noch nie. Ducati brachte einige in der MotoGP erprobte Verbesserungen auf die Saison 2023 und seither haben weder Toprak noch die restlichen Konkurrenten gegen Bautista eine ernsthafte Chance.
Der Kurs mit den meisten Kurven im Kalender
Insgesamt 21 Kurven bietet die auch für Testfahrten der Autoindustrie beliebte Strecke nahe der im Norden der Hauptstadt Prag gelegenen Industriestadt Most. Zwölf Rechts- und 9 Linkskurven und eine Länge von 4.212 Kilometern bietet der Kurs mit den meisten Kurven im Kalender. Im Jahr 1983 eröffnet hat diese Rennstrecke nur eine längere Gerade, bei welcher sich natürlich Start und Ziel, sowie die Boxen befinden. Mit knapp 800 Meter Länge haben hier die Ducati Piloten aus der relativ engen Kurve 21 zwar einen deutlichen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Aber zumindest ist nur hier und aus Kurve 10 sollte ihnen ihre Überlegenheit in Beschleunigung und Topspeed von echtem Nutzen sein. Die schnellste Runde fuhr 2022 in der Superpole Johnny Rea auf der Kawasaki ZX-10RR mit 1:30.947. Mit zwei Ausnahmen fuhr der Nord-Ire bei sämtlichen Rennen in die ersten drei, während es im ersten Lauf 2022 nur für P3 reichte und er bei der Premiere 2021 im ersten Durchgang sogar mit Sturz ausgeschieden war.
Was erwartet die Fans in Most?
Leider sind die wenigen Hotels in der Nähe bereits restlos ausgebucht und selbst beim Camping Platz an der Strecke soll es kaum mehr freie Plätze geben. Die wenigen noch verfügbaren können bereits nicht mehr reserviert werden, da sie an die zuerst eintreffenden Gäste vergeben werden. Was die Ticketpreise betrifft, haben wir ähnlich schlechte Nachrichten. Für einen Besuch am Samstag oder Sonntag inklusive Paddock-Zutritt werden bereits nur für einen Tag mehr als 60 Euro vom Veranstalter verlangt. Das ist fast 50 Prozent mehr als im Motorland Aragon bei der zehnten WSBK Runde ein Tribünenticket für drei Tage kostet! Die meisten Einheimischen werden sich diese Horrorpreise natürlich nicht leisten können und von daher fühlen wir uns unangenehm an Brünn in der MotoGP vor 15 bis 20 Jahren erinnert. Damals waren unzählige Tschechen hinter den Absperrungen zu sehen, welche sich die Eintrittskarten nicht leisten konnten und trotzdem anreisten, um wenigstens aus der Ferne etwas mitzubekommen. Aus sportlicher Sicht besteht zumindest für die achte WorldSBK Runde von Most womöglich eine Chance, halbwegs echte Rennen zu sehen, bei welchen nicht wie bisher mit Bautista ein Pilot dem Rest des Feldes auf und davon fährt.
Zwischenstand in der Superbike Weltmeisterschaft
Sofern Alvaro Bautista nicht mehr so viele Fehler wie in seiner ersten WSBK Saison 2019 für Ducati macht, können er und sein Aruba.it Ducati Team sich zurücklehnen. Mit Aragon, Portimão und San Juan sind für seine Ducati Panigale V4R mit ihrer derzeitigen Überlegenheit in Beschleunigung und Topspeed die drei letzten Runden im Kalender wie gemacht. Ein Blick auf seine Resultate im Vorjahr genügt zur Bestätigung. In der Saison 2022 verpasste der Spanier auf diesen 3 Rennstrecken das Punktemaximum jeweils äußerst knapp. Dies sogar auf dem Vorjahresmodell seiner Panigale V4R, welche auf diese Saison nochmals mit MotoGP Technik drastisch verbessert wurde. Selbst wenn Bautista ab nun in jedem Lauf nur noch zweiter würde, hätte er den Weltmeistertitel mit 5 Punkten Vorsprung auf Toprak auf sicher, sollte dieser jedes der noch ausstehenden Rennen gewinnen. Nachdem Alvaro 2023 bisher mit einer Ausnahme jedes Rennen gewann, bei welchem er die Zielflagge sah, muss man leider von der einseitigsten Superbike Saison der ganzen Geschichte seit 1988 sprechen.
Wo nicht anders erwähnt gilt bei allen Bildern (© WorldSBK).
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