Eine Schlüsselszene des ersten Rennens in Magny-Cours – Loris Baz (Ten Kate Yamaha) vor Garrett Gerloff (GRT Yamaha), der soeben in Kurve 7 noch versucht, seine schleudernde Yamaha abzufangen. Dem US-Amerikaner, der davor mehrmals die schnellste Runde gefahren war, gelang dies nicht mehr und er flog ins Kiesbett ab (© WorldSBK).

Superpole mit Laverty vor Sykes und Rea – Redding nur P10

Eugene Laverty (links) und Tom Sykes holten zum ersten Mal seit der Rückkehr von BMW als Werksteam in die WorldSBK eine gemeinsame erste Startreihe, gemeinsam mit Jonathan Rea auf Kawasaki (© WorldSBK).

Zufriedener Jonathan Rea nach der Superpole
Für das erste Rennen am Samstag ging laut seiner Aussage im Interview nach der Superpole die Rechnung für Jonathan Rea auf. Das Kawasaki Ass betonte, wie wichtig es ihm war, möglichst aus der ersten Reihe starten zu können. Für das Rennen wünscht er sich eindeutige Verhältnisse, am liebsten mit Regen, statt einer Reifen-Lotterie bei wechselhaften Bedingungen. Nicht Tom Sykes war es, der für BMW die Poleposition holte, sondern Eugene Laverty hatte um 0,142 vor seinem Teamkollegen die Nase vorne. Nur 7 Fahrer blieben innerhalb einer Sekunde, während vor allem die Ducati Werkspiloten Davies und Redding einige Mühen bekundeten.

Scott Redding (Aruba.it Ducati) nach der Superpole in der Box. Die Ausgangslage für den Ducati Neuzugang wurde dadurch alles andere als einfach (© WorldSBK).

Startreihe 2 und Ausblick für das 1. Rennen
Mit Alex Lowes (Kawasaki) und den beiden Yamaha Piloten Garrett Gerloff und Michael van der Mark war die Besetzung der zweiten Startreihe keine Überraschung. Nebst den beiden arrivierten Piloten hatte US-Boy Gerloff bereits am Freitag positiv überrascht. Für das Rennen am Samstagnachmittag um 14 Uhr hatte Herausforderer Scott Redding (Ducati) eine Mammutaufgabe vor sich. Um seine Titel-Chancen noch aufrechtzuerhalten, hätte er vor Rea ins Ziel kommen müssen. Von Startreihe 4 war dies aber eine Mammutaufgabe.

Garrett Gerloff (GRT Yamaha) – einer der Podiums-Kandidaten für das Rennen am Samstagnachmittag überzeugte mit Startplatz fünf (© WorldSBK).

Superpole Resultat WSBK

1. Rennen: Gerloff crasht – Rea gewinnt vor Baz und Lowes

Kurz nach dem Start hatte Tom Sykes eine Berührung mit dem auf der Kurven-Innenseite fahrenden Garret Gerloff und kam dadurch zu Sturz. Dabei riss er gleich noch seinen Teamkollegen Eugene Laverty mit. Bereits in der ersten Kurve hatte sich das zum ersten Mal zusammen aus der ersten Reihe gestartete BMW-Duo somit aus dem Rennen verabschiedet. In den ersten Runden bildete sich hinter dem in Kurve 1 bereits in Führung gegangenen Jonathan Rea zuerst eine Spitzengruppe mit Michael van der Mark, Garrett Gerloff, Loris Baz (alle Yamaha) und Alex Lowes (Kawasaki). Aber nach kurzer Zeit befanden sich die beiden Yamaha Piloten Baz und Gerloff alleine auf der Verfolgung von Rea, während Lowes und van der Mark nicht mehr ganz mitzuhalten vermochten.

Volle Konzentration von Jonathan Rea (Kawasaki Racing) vor dem Start zum ersten Rennen in Magny-Cours am Samstagnachmittag, dem 3. Oktober 2020. Mit ausreichendem Punkte-Abstand vor Scott Redding ist er sich bewusst, an diesem Wochenende den 6. WM-Titel in Folge zum vierten Mal nacheinander auf dem Circuit de Nevers sicherstellen zu können. Und den ersten wichtigen Schrritt machte der Kawasaki Pilot bereits am Samstag (© WorldSBK).

Der Kampf um den Sieg zwischen Rea und Baz
Der Franzose konnte anfänglich sogar kurz am Nord-Iren vorbeigehen, doch der Kawasaki Pilot schlug sofort wieder zurück. In Runde 15 flog in Kurve 7 der auf P3 liegende Garrett Gerloff per Highsider ab. Ab nun hatte der Weltmeister nur noch Baz direkt im Nacken, konnte das Rennen jedoch offenbar gut kontrollieren. Nach dreizehn Umgängen war Baz 0,511 Sekunden hinter dem Nord-Iren und nur zwei Runden später lag der Ten Kate Fahrer bereits um 1,932 hinten. Damit konnte er den Kawasaki Piloten bis zum Schluss nichts mehr entgegensetzen und gab sich am Ende mit Platz 2 zufrieden. Mit einer sauberen Leistung holte sich Alex Lowes mit P3 ein Podium mit beinahe 10 Sekunden hinter Teamkollege und Sieger Rea.

Dramatische Szene in Kurve 1 direkt nach dem Start – während Johnny Rea vorne wegzieht, hatten hinter ihm Gerloff und Sykes eine kurze Berührung. Dadurch kam der Engländer mit erhobenem Bein zu Sturz und seine BMW traf das Hinterrad von Eugene Laverty, welcher dadurch ebenfalls heftig ins Kiesbett abflog (© WorldSBK).

Redding zu langsam – auch van der Mark gestürzt

Scott Redding lag 5 Runden vor Schluss nur dank einigen Stürzen vor ihm liegender Fahrer und der Überholung von Michael Ruben Rinaldi auf Platz 7. Obwohl Sykes und Laverty vor ihm gestürzt waren, befand er sich nach der 1. Runde trotz Start von P10 davor nur an zehnter Stelle. Und falls Rea gewinnen sollte, war dies zu wenig, um diesen zum vierten mal in Folge an dieser Stätte am vorzeitigen Gewinn des WM-Titels an diesem Wochenende in Magny-Cours hindern. Mittlerweile war auch Michael van der Mark ausgerutscht, wonach Redding versuchte, etwas näher an die vor ihm liegenden Toprak Razgatlioglu (Pata Yamaha) und Leon Haslam (HRC Honda) heranzukommen. Doch ein Leon Haslam fühlt sich auf nasser Strecke pudelwohl und auch Toprak gab vor dem Rennen bereits zu Protokoll, dass er sich bei Regen auf der Yamaha viel wohler fühle, als im Vorjahr noch auf der Kawasaki.

10 Runden vor Schluss – Jonathan Rea (Kawasaki) mit dem ihm direkt im Genick sitzenden Loris Baz (Ten Kate Yamaha). Wenige Runden später gelang es dem Weltmeister, den Franzosen zu distanzieren (© WorldSBK).

Auch Haslam stürzt und Redding profitiert doppelt
In der letzten Runde ging der HRC Honda Pilot am Türken vorbei, doch dieser wehrte sich und erkämpfte nochmals Platz 5. Wenige Kurven später schaffte es Haslam nochmals am Yamaha Piloten vorbei. Doch in der Schikane bei Kurve 12 fabrizierte der Engländer einen Highsider und flog in hohem Bogen von seiner Honda. Dadurch musste der herannahende Razgatlioglu ausweichen, wodurch er von Redding noch überholt und dieser an seiner Stelle fünfter wurde.

Leon Haslam (HRC Honda) bei seinem Highsider, wodurch Toprak Razgatlioglu (Pata Yamaha) anschließend seinem Bike ausweichen muss und dadurch noch wenige Kurven vor Schluss seine Position an Scott Redding auf der Ducati verliert (© WorldSBK).

Rea überragend und kurz vor WM-Titel Nummer 6

Der überragende Sieger hat nun ein Punktepolster, mit dem er den Titel vor den Rennen am Sonntag in Griffweite hat und bereits 65 Punkte vor Scott Redding liegt. Rea könnte ab nun dem Ducati Piloten in den Rennen am Sonntag gemütlich folgen und würde sich damit vorzeitig zum sechsten Mal in Folge den Titel in der Superbike Weltmeisterschaft sichern. Doch wie man den Nord-Iren kennt, wird er im Superpole Rennen wohl erneut dominieren wollen. Auf Eurosport 2 wird das Superpole Race am Sonntagmorgen um 11 Uhr live übertragen.

Damit war das erste Rennen bereits in der 1. Kurve für die beiden BMW Piloten Tom Sykes (rechts) und den von seinem Bike gleich noch mitgerissenen Eugene Laverty bereits vorbei. Der von ihnen danach beschuldigte Garrett Gerloff wies dies jedoch eindeutig zurück. Aus verschiedenen Kamera-Einstellungen ist jedenfalls ersichtlich, dass der US-Amerikaner innen vor Sykes lag und dieser in ihn fuhr und nicht umgekehrt. Üblicherweise gehört die Kurve dem innen liegenden Fahrer, was die Argumentation der beiden BMW Fahrer natürlich erschwert (© WorldSBK).

Resultat erstes Rennen der vorletzten WM-Runde

Das Podium bei garstigem Wetter nach dem ersten Rennen mit von links Loris Baz (Yamaha, P2), Sieger Jonathan Rea (Kawasaki) und Alex Lowes (Kawasaki, P3). In Magny-Cours findet die Siegesfeier traditionell immer vor dem Hauptgebäude vis a vis der Start-Ziel-Tribüne statt, nicht wie bei den meisten anderen Events im Paddock (© WorldSBK).
Nicht zur Nachahmung auf öffentlicher Straße empfohlen – Jonathan Rea und Alex Lowes auf ihren ZX-10RR Kawasakis feiern ihren Doppelsieg. Nächstes Jahr bekommen die beiden ein neues Modell, siehe unser Bericht „Die neue Kawasaki-Waffe“ (© WorldSBK).

Doppelsieg für Kawasaki vor Michael van der Mark

Gleich nach dem Start ging von P3 sofort wieder wie am Vortag Jonathan Rea in Führung. Die beiden BMW Piloten überstanden diesmal im Gegensatz zum Samstag die erste Kurve, als Sykes nach einer Berührung mit Gerloff auch noch Laverty bei seinem Sturz mitgerissen hatte. Doch in der Estoril Kurve ging mit einem sauberen Manöver Alex Lowes innen gleich an beiden vorbei. Ab nun führten die beiden Kawasaki Piloten und begannen sich Stück für Stück von ihren Verfolgern leicht abzusetzen. Nebst dem Weltmeister gelang sogar auch seinem Teamkollegen zwischendurch eine Bestzeit, bevor auch Rea ab Rennmitte Ernst machte und davonzog. Hinter den beiden und dem auf P3 liegenden Michael van der Mark, der sich bis kurz vor Schluss auf einem sicheren 3. Platz befand, gab es spannende Kämpfe um P4. Tom Sykes hingegen fiel immer weiter zurück, bevor er außerhalb der Top 14 liegend an die Box fuhr und aufgab.

Leider kein seltenes Bild in dieser Saison – Tom Sykes an der BMW Box steigt bereits vorzeitig von seiner S1000-RR. Die Defekthexe schlug nicht zum ersten Mal bei ihm zu (© WorldSBK).

BMW erneut im Tief – auch Redding wieder geschlagen

Von der Poleposition gestartet, wurde Eugene Laverty (BMW) im Rennen bereits ab den ersten Kurven durchgereicht, bis er am Ende auf dem enttäuschenden 15. Rang durchs Ziel fuhr. Selbst der nur von P17 gestartete Alvaro Bautista konnte den Iren im über nur zehn Runden dauernden Sprintrennen bis ins Ziel noch abfangen. Zweiter großer Verlierer nebst den BMW Fahrern war Scott Redding. Der Ducati Neuzugang hatte von P10 einen hervorragenden Start und kämpfte sich schon früh bis auf Platz 4 nach vorne. In der letzten Runde attackierte er sogar mehrmals den vor ihm auf Position 3 liegenden van der Mark und fand kurz auch den Weg an diesem vorbei. Doch „Magic Michael“ ist ein Fighter durch und durch und gab sich nicht so leicht geschlagen. Am Ende hatte der Yamaha Pilot die Nase knapp vorne und Redding muss somit mit Startposition 4 in der zweiten Reihe vorlieb nehmen.

Das „Dummy-Podium“ des Sprintrennens, bei dem die Fahrer nur kurz zum Foto posieren, von links Alex Lowes (P2), Sieger Jonathan Rea (beide Kawasaki) und Michael van der Mark (P3, Pata Yamaha). Der Mann aus Gouda gehört auch am Nachmittag zu den Mitfavoriten auf das Podium (© WorldSBK).

Kommt noch am Sonntag Sieg Nummer 100 für Jonathan Rea?

Mit seit Sonntagmorgen 99 Siegen in der Superbike Weltmeisterschaft könnte der Rekord-Champion am Nachmittag um 14 Uhr die historische Zahl noch voll machen. Noch wichtiger ist ihm aber laut eigener Aussage, dass er trotz schwieriger Verhältnisse wieder ein gutes Rennen zeigen kann. Sollte es wieder nass sein, ist Rea genauso Favorit, wie falls die Strecke bis zum 2. Rennen am Sonntag abtrocknen sollte. Garrett Gerloff hat schlechte Karten, ihm dabei einen Strich durch die Rechnung zu machen. Der US-Amerikaner (Platz 8) und Loris Baz (P6) vermochten dem Kawasaki im Sprintrennen jedenfalls nicht zu folgen. Der Nord-Ire könnte im Rennen auch gemütlich Scott Redding folgen, sollte dieser in Lauf 2 zum ersten Mal an diesem Wochenende eine dominierende Rolle spielen. Für die vorzeitige Sicherung seines WM-Titels zum vierten Mal in Folge auf dem Circuit de Nevers und vorzeitig, würde dies völlig ausreichen. Doch wie man Johnny Rea kennt, wird er auch am Nachmittag wieder auf Sieg fahren.

Start zum Superpole-Race um 11 Uhr am 4. Oktober 2020 mit vorne im Bild Polesetter Eugene Laverty vor Tom Sykes (BMW) und dem späteren Sieger Jonathan Rea auf der Kawasaki (© WorldSBK).

Resultat Superpole Race

WM-Zwischenstand vor der zweitletzten Runde

Alex Lowes überholte Toprak Razgatlioglu und Tom Sykes verlor eine Position an Garrett Gerloff.

Zeitplan WorldSBK Wochenende Magny-Cours