Jonathan Rea (Kawasaki ZX-10RR) machte in der dritten WM-Runde in Misano alles richtig und fuhr bisher als einziger in jedem der neun Rennen aufs Podium. Beim zweiten Rennen in Misano wurde er diesmal dabei sogar um eine fehlende Bestrafung eines Track-Limit-Sünders betrogen.

WSBK Sonntag in Misano: Razgatlioglu gewinnt Skandal-Rennen

Wir hatten nach dem WorldSSP Rennen etwas getan, was im Vorfeld bereits intern zur Diskussion gestanden hatte. Weil wir Fans der Serie und des Rennsports sind, wollen wir genau wie die meisten Zuschauer auch, vor allem faire Rennen sehen. Wie die Mehrheit der Leute im Paddock sind wir alles andere als Freunde der neu eingeführten Reglemente, in erster Linie sträuben auch wir uns gegen die völlig fragwürdigen Track-Limits. Es ist bittere Ironie, wenn Fahrer im Kampf um Positionen und Hundertstel von Sekunden ausgerechnet dafür bestraft werden, dass sie einen grün markierten Teil (was für eine Farbe in diesem Zusammenhang) der Strecke mit einem oder beiden Rädern berühren. Noch unsinniger wird es dann, wen wie vor einem Jahr in der MotoGP bei Fabio Quartararo und am Sonntag nun auch Steven Odendaal als Leader in der letzten oder vorletzten Runde einen Long-Lap Penalty erhalten. Mit Sieg oder Podium vor den Augen schaut kaum einer noch auf Signale oder Pitboard. In beiden Fällen setzte es Strafen ab, genau wie auch in Mugelllo kürzlich in der MotoGP aber oft sehr inkonsequent. Nachfolgendes Bild belegt eindeutig, dass der Sieger des zweiten WorldSBK Rennens genauso hätte bestraft werden müssen und Tausende Zuschauer sahen es an den Bildschirmen, wenn sie genau hinsahen.

Diese Aufnahme stammt von der Kamera von Jonathan Rea und sie zeigt, wie Toprak Razgatlioglu in der dritten Runde des zweiten Rennens von Misano eine klare sogenannte „Track-Limit-Violation“ beging, für welche er von den FIM-Stewards im Gegensatz zu WSSP Sieger Steven Odendaal jedoch nicht bestraft wurde.

Viele Enttäuschungen schon am Samstag
Bereits Tag eins brachte für einige Fahrer und Teams schwere Enttäuschungen. Allen voran die beiden Ducati Hoffnungen und ehemaligen Teamkollegen Davies und Redding, sowie Jonas Folger und seine BMW-Werkskollegen. Während Chaz gestürzt war, musste Redding mit P4 vorlieb nehmen und blieb damit deutlich hinter Sieger Rinaldi zurück. Der Deutsche verpasste mit Rang 16 die Punkteränge und die beiden anderen Blau-Weißen schafften es mit P8 und Position 10 nur knapp in die Top Ten. Nach Startreihe zwei von Tom Sykes ging es für den schnellen Mann aus Huddersfield im Rennen einmal mehr nach hinten. Mittlerweile ist klar und es gibt auch keine Ausreden mehr dafür, dass BMW mit dem spätesten Testbeginn sämtlicher Werksteams geschlampt hat. Mit derartig halbherzigem Engagement haben die Münchner in der Weltspitze allerdings auch nichts zu suchen. Leidtragende davon sind in erster Linie die Fahrer und in zweiter die Fans, welche sich nach Einführung der M-1000RR eine Steigerung erhofft hatten. Statt wie früher mit einer Yamaha R1 um das Podest mitkämpfen zu können, musste sich Michael van der Mark deshalb mit Rang 10 begnügen.

Michael Ruben Rinaldi (Aruba.it Ducati) vor dem sich mit unglaublich starker und geistesgegenwärtiger Reaktion vor einem sicheren Crash rettenden Jonathan Rea (Kawasaki Racing Team) in Kurve 1, wonach der Nord-Ire sogar noch aufs Podium fuhr, zum exakt 150. Mal für Kawasaki.

Das Superpole Race der WorldSBK – die Top fünf wie am Vortag

Für Chaz Davies ging es nur bis zur zweiten Kurve, als er wie am Samstag diesmal gleich zu Beginn mit einem Crash seine Chancen im Kiesbett beendete. Erneut war es Rinaldi, der nach anfänglicher Führung von Toprak wieder das bessere Ende für sich hatte. Jonathan Rea war lange am Führungsduo dran, aber für 2 oder 5 Punkte mehr als P3 schien er nicht einen Sturz riskieren zu wollen. Erneut hielt er wie am Vortag dabei den hinter ihm liegenden Scott Reddiing sicher auf Distanz, der danach mit Platz 4 wie am Samstag wieder enttäuscht in seiner Box sass. Der hinter ihm wie im ersten Rennen auf Rang 5 ins Ziel gekommene Alex Lowes wirkte dagegen wesentlich zufriedener. Dies gilt natürlich auch für die ersten drei, wobei Toprak als Zweiter nur so redete, als sei er mit P2 einverstanden. Sein Gesicht hingegen sprach eine andere Sprache. Dafür wurde er später von den FIM-Stewards mit einem Geschenk beehrt, welche das Misano Wochenende leider endgültig zu einem Skandal machen sollte.

Kurve 8 genannt Quercia mit leerem Hügel der Naturtribüne, wie auch an anderen Stellen rund um die Strecke, aufgenommen kurz vor dem letzten Rennen des Skandalwochenendes in Misano der WorldSBK.

Der „Misano World Circuit Marco Simoncelli“

Die Resultate vom Sonntag und der WM-Zwischenstand

Wir werden die nach dem Skandal von Misano zur Nebensächlichkeit gewordenen Resultate und den Zwischenstand in der Weltmeisterschaft in einem gesonderten Bericht veröffentlichen. Für uns ist die Konsequenz daraus, dass wir bis auf Weiteres sowohl in der MotoGP wie auch in der WorldSBK auf Liveblogs verzichten werden. Bei Betrug an einzelnen Fahrern hört bei uns der Spaß auf und darum geht es im Moment einzig und allein bei der völlig willkürlich ausgelegten Anwendung der neuen Reglemente. Vorläufig beschränken wir uns auf Zusammenfassungen des sportlichen Geschehens und dies wie immer kritisch und dabei nicht dem sogenannten Mainstream folgend. Wir sind fest davon überzeugt, dass es besonders in heutiger Zeit skeptische Stimmen braucht und wer sich die Bilder mit Zuschauern auf den Tribünen genau ansah, versteht vielleicht, was wir damit meinen. Statt in Misano alle weitläufig um die Strecke zu verteilen, pferchte man die Besucher wie Vieh auf engsten Räumen in wenigen Tribünen-Bereichen zusammen. Wohl aufgrund der hohen Temperaturen hatten die meisten dabei ihre Masken gar nicht erst an oder trugen sie am Kinn.

Während die Mehrzahl der Tribünen leer waren und auch die Naturtribünen gesperrt, war dies ein typisches Bild vom Irrsinn des ersten Events mit Zuschauern an der Strecke. Exakt zwei Personen trugen hier überhaupt ihre Maske halbwegs korrekt, offenbar ganz nach dem Motto „gebt dem Virus eine Chance“. Dies ausgerechnet in einem von der Pandemie am ärgsten gebeutelten Land.

Wo nicht anders erwähnt gilt bei allen Bildern (© WorldSBK).