Raymond Roche auf der Ducati 851 – der Franzose fuhr nach dem Wechsel aus der 500 cm³ WM im Jahr 1989 seine erste Saison in der Superbike WM und vermochte dabei auf Anhieb zu überzeugen (© WorldSBK).

Zweite Saisonhälfte 1990 – dem 3. Jahr der Superbike WM

Im ersten Halbjahr hatte sich Raymond Roche als stärkster und konstantester Fahrer erwiesen. Doch auch der amtierende Weltmeister Fred Merkel war nicht so schlecht, wie wir kürzlich in Wikipedia lesen konnten. Wer dort publizierte, nach seinem 2. Titel sei Merkel nicht mehr erfolgreich gewesen, hat von Rennsport echt keine Ahnung. Oder will jemand ernsthaft behaupten, drei Siege und zusätzliche vier Podestplätze im Jahr 1990 seien kein hervorragendes Resultat? Als der Kalifornier 1988 seinen ersten Titel holte, reichten dafür 2 Siege und 3 Podestplätze in 17 Rennen. Das Problem des US-Amerikaners in seinem 3. WSBK-Jahr begann in der 2. Saisonhälfte und wie nachfolgende Zwischenwertung belegt, hatte der Honda Pilot bis dahin sehr gute Chancen für seinen 3. WM-Titel in Folge.

Die WM-Runde 8 der Superbike WM 1990 in Sugo

Kleiner Rückblick auf die ersten zwei Jahre in Sugo
In Japan waren sich die Piloten aus Europa gewohnt, dass sie sich warm anziehen mussten. Im Vorjahr hatten aus dem Gastgeberland, den USA, Neuseeland und Australien Fahrer teilgenommen, welche die vordersten Plätze damals unter sich ausmachten. Im ersten Rennen 1989 hatten es nur Giancarlo Falappa (P4), Fabrizio Pirovano (P7) und Stéphane Mertens mit Platz 8 in die Top Ten geschafft. Weltmeister Fred Merkel hatte damals als 16. gar die Punkteränge verpasst. Im zweiten Rennen wurden als einzige in den ersten zehn Falappa dritter und Mertens erneut achter. Ein Jahr davor hatten zwei Australier in Sugo gewonnen, der eine davon hieß Michael Doohan auf Yamaha. Einige Jahre später (ab 1994) wurde er 5-facher 500 cm³ Weltmeister.

Die Start-Zielgerade der Strecke von Sugo in Japan – hier gastierte die WorldSBK von ihrem ersten Jahr 1988 bis 2003 für insgesamt 16 Runden mit jeweils 2 Rennen.

Der erste europäische Sugo-Sieger der Superbike WM
Raymond Roche sorgte auf der Ducati 851 am 26. August 1990 für einen historischen Moment, als er als erster Europäer den japanischen WM-Lauf für sich entscheiden konnte. Sein letztjähriger Teamkollege Baldassari Monti auf Honda komplettierte zusammen mit dem dritten Doug Chandler (USA, Kawasaki) das Podium. Fabrizio Pirovano (Yamaha) wurde vierter vor Peter Goddard (AUS, Yamaha), Rob Phillis (AUS, Kawasaki), Jamie James (USA, Ducati) und Doug Polen (USA, Suzuki). Mertens als drittbester Europäer wurde im 1. Rennen elfter und Fred Merkel war gar nicht am Start. In der Zeitschrift American Motorcyclist stand die Erklärung für sein Fehlen. Der US-Amerikaner hatte sich im Training für die 8 Stunden von Suzuka bei einem Sturz eine Nackenverletzung zugezogen. Im Jahr 1984 hatte er das prestigeträchtige Rennen noch zusammen mit seinem Landsmann Mike Baldwin gewonnen.

Fred Merkel (Rumi Honda VRF750 RC30) – der Showman fehlte in Sugo und Frankreich, wodurch seine Saison und damit die Titel-Verteidigung so gut wie gelaufen war. In der Saison 1990 sollte er nur noch bei den 2 Läufen in Monza antreten und die Saison danach vorzeitig beenden (© WorldSBK).

Der 2. Lauf in Sugo
Mit seinem Sieg im zweiten Rennen machte sich der US-Amerikaner Doug Chandler auf Kawasaki im Land seines Motorrad-Herstellers nach Platz 3 im 1. Lauf zum Gesamtsieger. Mit dem Australier Peter Goddard (Yamaha) wurde ein weiterer Wildcard-Pilot zweiter vor Baldassare Monti (Honda) als bestem Europäer. WM-Leader Roche musste sich hinter Pirovano und Phillis diesmal mit Rang 6 begnügen. Sein mittlerweile härtester Rivale im Titelkampf, Honda Pilot Stéphane Mertens, wurde hinter Jamie James nur achter. Der US-Amerikaner Doug Polen, auf Suzuki im 1. Lauf noch auf Rang 8, gab vor dem Start aufgrund einer Verletzung auf. Er sollte jedoch im nächsten Jahr als Stammpilot in die WorldSBK kommen und dabei für viel Aufsehen sorgen.

Doug Chandler (Kawasaki) – als Wild-Card Starter mit den Plätzen 3 und 1 der Gesamtsieger in Sugo (© WorldSBK).
Jamie James (Ducati) – der US-Amerikaner überzeugte in Sugo mit zwei siebten Plätzen, nachdem er in Mosport (Kanada) sogar zweimal in Folge mit zweimal Rang 2 auf dem Podium gestanden war (© WorldSBK).

Runde 8 mit der Rückkehr nach Le Mans

Zwei Runden fanden in der dritten WSBK-Saison nach dem Japan-Abstecher noch in Europa statt, bevor in Australien und Neuseeland die beiden Final-Runden an der Reihe waren. Nach Le Castellet im Vorjahr war diesmal für die französische WSBK-Station wie im Vorjahr erneut Le Mans an der Reihe. Auf dem traditionsreichen Circuit Bugatti trat Lokalmatador Raymond Roche als WM-Leader mit 45 Punkten Vorsprung auf seinen nächsten Verfolger Stéphane Mertens an. Der amtierende Weltmeister Fred Merkel fehlte auch hier noch und musste mit bereits 67 Punkten Rückstand auf den Franzosen seine Titelverteidigung zu diesem Zeitpunkt damit so gut wie abschreiben.

Die Entry List des Events von Le Mans mit der fehlenden Nummer 1 des immer noch verletzten amtierenden Weltmeisters Fred Merkel. Zur Freude der Franzosen holte der WM-Leader Raymond Roche auch noch den Doppelsieg auf dem Circuit Bugatti.
Im Jahr 1990 fand nach nur 2 Events auf dem Circuit Bugatti von Le Mans die sogenannte Dernière auf der traditionsreichen Strecke statt. Ab 1991 ging es auf den brandneuen Magny-Cours Circuit bei Nevers, auf welchem die WorldSBK auch heute noch zu Gast ist.

Der 1. Lauf – auch der WM-Dritte im Pech
Fabrizio Pirovano war mit 66 Zählern weniger als Roche auf dem 3. Zwischenrang im Zugzwang, aber im Gegensatz zum immer noch verletzten Merkel zumindest in Le Mans anwesend. Im ersten Rennen gab nach 7 Runden jedoch die Kupplung an der Yamaha des Italieners den Geist auf, was seine Situation umso mehr verschlechterte. Der Hausherr gewann auf seiner Hausstrecke vor Ducati Markenkollege Jamie James, Mertens, Monti und Phillis. Ein weiteres Puzzlestein zum ersten Titel von Roche für Ducati, mit der Vergrößerung seines Punktevorsprungs auf seine Verfolger.

Nach dem Start vor der La Chapelle Kurve 6 – Pirovano (Yamaha) vor Monti (Honda), Roche (Ducati, verdeckt),und Mertens (Honda). Der hier in Führung liegende Italiener war mit seinem technischen Defekt an der Yamaha FZR-750R der Pechvogel des Rennens (© WorldSBK).

Raymond Roche gewann auch den zweiten der beiden Läufe am Sonntag und baute damit seinen Vorsprung im WM-Zwischenklassement deutlich aus. Nur Stéphane Mertens mit zwei dritten Plätzen vermochte Roche im Zwischenklassement ab nun noch halbwegs auf den Fersen zu bleiben. Mit Christian Lavieille (Yamaha) auf Rang 7 und Jean-Michel Mattioli als achter hatten im ersten Rennen zwei weitere Franzosen geglänzt. Letzterer schaffte es auch im zweiten Lauf als siebter nochmals in die Top Ten. Platz 8 ging diesmal an den im ersten Rennen ausgefallenen Carl Fogarty auf Honda. Der Brite sollte schon bald zu einer der dominantesten Figuren in der WorldSBK Geschichte überhaupt werden.

Raymond Roche auf der Ducati 851, die eigentlich bereits den Modellnamen 888 hätte tragen sollen, da dies der echte Hubraum des V2-Motors der Italiener war. Mit bereits 8 Siegen in 18 Rennen war dem Franzosen der Titel kaum mehr zu nehmen (© WorldSBK).

Die WorldSBK Premiere im königlichen Park von Monza

Nach Enna-Pergusa als italienische Runde im Vorjahr stand mit Monza diesmal für die Superbike WM ein Klassiker im Programm. Für sämtliche Anreisenden aus dem Rest von Europa war der Kurs in Norditalien rein schon bezüglich der Anreise viel angenehmer. Statt nach Sizilien ging es damit auf die seit den 1970-er Jahren etwas in Verruf geratene und als recht gefährlich geltende Traditions-Rennstrecke nahe der Metropole Mailand. Hier hatte der Österreicher Rupert Hollaus bei einem Sturz im Training sein Leben gelassen. Bei einem skandalösen Massencrash starben 19 Jahre später Jarno Saarinen und Renzo Pasolini völlig unnötig. Der Finne galt bis zu seinem tödlichen Unfall 1973 als der kommende 500 cm³ Weltmeister und Superstar, doch er wurde das Opfer einer ignoranten Rennleitung. Trotz Warnung einiger Fahrer wurde damals von ihnen auf dem Start zum 250-er Rennen bestanden, bei welchem es zu einem Massencrash mit 14 gestürzten Fahrern und 2 Todesopfern kam.

Wie bei der Strecke von Le Mans, wie hier diese Aufnahme aus den frühen 1920-er Jahren beweist, fehlte es auch in Monza nicht an Tradition. Die Superbike Weltmeisterschaft sollte hier bis ins Jahr 2013 gastieren.

Der erlösende Heimsieg des Lokalmatadoren

Fabrizio Pirovano starb 2016 im Alter von erst 56 Jahren viel zu früh an einer schweren Krankheit. Vier Jahre später wurde sogar eine Sonder-Edition einer Yamaha R1 zu seinem Gedenken versteigert. Als WM-Dritter war er in seiner Heimat angetreten und bei der Premiere der WorldSBK von Monza sollte er die vielen angereisten Tifosi beileibe nicht enttäuschen. Am Sonntag, dem 7. Oktober 1990 regnete es in Monza und beide Läufe wurden als Regenrennen gestartet. Mit einem lupenreinen Doppelsieg brachte der Mann aus Biassono, direkt an die Rennstrecke grenzend, die vielen angereisten Fans zum Toben. Im ersten Lauf verwies er Mertens und Roche auf die Plätze. Fred Merkel war nach langer Pause wieder anwesend, fiel jedoch mit Motorschaden aus.

Zu Besuch in der Box von Fabrizio Pirovano – seit Einführung der WSBK 1988 war er der beste Yamaha Pilot und sollte dies auch noch weitere Jahre bleiben (© WorldSBK).

Zweites Rennen
Der Lokalmatador gewann das zweite Rennen vor seinem Landsmann Baldassare Monti (Honda) und dem Engländer Rob McElnea (Yamaha). Weltmeister Raymond Roche musste sich mit dem sechsten Platz hinter Rob Phillis und Fred Merkel zufrieden geben.

Jamie James (Ducati) – mit den Plätzen 7 und 8 immerhin zwei saubere Top Ten Ergebnisse für den starken US-Amerikaner in Monza. Er trat nur bei 5 von 13 Runden an und wurde trotzdem mit 3 zweiten Rängen und vier Zielankünften in den ersten 8 im Endklassement der WM Zwölfter. Im Jahr 1989 war James AMA Superbike Champion geworden (© WorldSBK).

Zum ersten Mal in Malaysia

Im Jahr 1990 gab es die heute sehr populäre Strecke von Sepang, nahe dem Flughafen von Kuala Lumpur noch nicht. Trotzdem war Malaysia bereits früh Austragungsort der Superbike Weltmeisterschaft. Bevor es nach Down Under ging, machte die seriennahe WM in ihrem dritten Jahr zum ersten Mal in Shah Alam Station. Fabrizio Pirovano erwies sich auf seiner Yamaha FZR-750R erneut als unschlagbar und der Norditaliener gewann sein drittes Rennen in Folge. Kawasaki Ass Rob Phillis wurde vor Stéphane Mertens und Raymond Roche Zweiter.

Superbike WM in Malaysia – bevor es auf den Sepang Circuit ging, wirkte alles wie hier in Shah Alam noch sehr improvisiert. Spannende Rennen gab es damals trotzdem, aber nach heutigen Sicherheitsrichtlinien wären dort wohl noch keine Rennen ausgetragen worden (© WorldSBK).
Bildergebnis für fred merkel motorcycle racer
Der amtierende Weltmeister Fred Merkel war nach Monza nicht mehr dabei, sollte aber im nächsten Jahr wieder am Start sein.

Das 2. Rennen – der Yamaha Pilot in absoluter Hochform
Pirovano entschied auch das zweite Rennen für sich. Diesmal wurde Rob Phillis vor Raymond Roche Zweiter. Platz 4 ging an Stéphane Mertens vor McElnea, dem Australier Goddard, Rymer und Jari Suhonen. Mit nur 18 klassierten Fahrern im 1. Lauf und deren 19 im zweiten erinnert die Resultatliste von damals an heutige Verhältnisse.

Fabrizio Pirovano – der erste WSBK-Gewinner in Malaysia (© WorldSBK).
Fabrizio Pirovano (Yamaha FZR-750R) – mit seinem zweiten Doppelsieg in Folge der Mann der Stunde und nur noch einen Punkt hinter Stéphane Mertens. Auf WM-Leader Roche betrug sein Rückstand 2 Runden vor Schluss jedoch bereits deren 63 (© WorldSBK).

Die zweitletzte Runde in Australien – auf neuem Terrain

In den ersten beiden Jahren der WorldSBK gastierte die seriennahe WM noch südlich von Sydney, bevor es nun in den Bundesstaat Victoria ging. Mit Phillip Island fand 1990 die Premiere der Superbike WM auf dieser Strecke statt und der Wechsel von Oran Park sollte sich lohnen. Auch 30 Jahre später sollte hier noch in der ersten Corona-Saison 2020 gefahren werden, dabei wurde es gar die einzig normale Runde in diesem Pandemie-geplagten Jahr. Mit Peter Goddard trumpfte ein Lokalmatador stark auf. Der Yamaha Fahrer gewann vor seinem Markenkollegen Fabrizio Pirovano, den beiden Australiern Michael Dowson (Kawasaki) und Malcolm Campbell (Honda), sowie WM-Leader Raymond Roche. Dieser stand nur noch knapp davor, zum ersten Mal in der WorldSBK Geschichte seinen Titel bereits vor der Finalrunde zu sichern.

Zu Besuch in Phillip Island – unsere Aufnahme vom 1. März 2020 kurz vor Rennbeginn mit rechts im Bild Kurve 4 (Honda Corner) und im Hintergrund das Meer.
Fabrizio Pirovano (Yamaha FZR-750R) – der Italiener zeigte eine sensationell starke zweite Halbzeit in seiner dritten Superbike Saison, die auch die erst dritte in der Geschichte der seriennahen WM war (© WorldSBK).

Das zweite Rennen in Phillip Island
Lokalmatador Rob Phillis musste in seiner ersten vollen WM-Saison lange auf seinen ersten Sieg warten. Doch beim zweiten Rennen in seiner Heimat war es endlich so weit für den Kawasaki Piloten. Vor seinen Landsleuten Goddard, Campbell und Michael Dowson (Kawasaki) entschied er Lauf 2 für sich. Pirovano musste sich diesmal mit Rang 5 begnügen. Die Top Ten komplettierten Scott Doohan (Honda, der Bruder von 500-er Weltmeister Mick), der Neuseeländer Aaron Slight (Kawasaki), Roche, Mertens und der Australier Stever Martin (Suzuki).

Stéphane Mertens (Honda) – der Belgier war einer der stärksten und konstantesten Piloten in den ersten Jahren der Superbike Weltmeisterschaft (© WorldSBK).

Die Entscheidung um den WM-Titel war gefallen

Mit 365 Punkten führte Raymond Roche uneinholbar vor dem Saisonfinale in Neuseeland. Er hatte nun 53 Punkte Vorsprung auf Pirovano als nächsten Verfolger, der durch seine starke 2. Halbzeit Mertens überholt hatte. Da nur noch 40 Punkte zu vergeben waren, stand Roche damit als erster Franzose als neuer Weltmeister und Nachfolger von Fred Merkel fest. Er war der erste Fahrer, der den Titel für Ducati holte und er war zugleich der Erste, der dies vor der letzten WM-Runde schaffte. Der Hersteller-Titel sollte jedoch durch den Ausfall von Roches Teamkollege Falappa am Ende an Honda gehen. Yamaha Pilot Fabrizio Pirovano lag mit 22 Punkten Vorsprung auf Stéphane Mertens als besten Honda Fahrer auf Rang 2. Somit musste zumindest die Entscheidung um den Vize-Titel in der 13. und letzten WM-Runde fallen.

Raymond Roche auf der Ducati 851, die einen Hubraum von 888 cm³ hatte in seinem ersten WSBK-Jahr 1989. Die Arbeit mit Ducati hatte sich gelohnt und im 2. Jahr startete der Südfranzose mit der italienischen Marke durch (© WorldSBK).

Finalrunde in Neuseeland

Zum dritten Mal in Folge fand das Saisonfinale auf der Strecke von Manfeild statt. Ein Jahr später sollte Phillip Island diese Ehre zufallen. Das erste Rennen wurde eine Beute von Terry Rymer auf Yamaha FZR-750R, welcher mit 1:08,480 und einem Schnitt 163,703 km/h auch die schnellste Runde fuhr. Der Engländer hatte dies bereits im Vorjahr geschafft, die Strecke schien ihm zu liegen. Der frisch gebackene Weltmeister Roche wurde vor Rob McElnea auf der zweitbesten Yamaha zweiter. Rang 4 ging an den Australier Daryl Beattie (Honda) vor seinem Landsmann Rob Phillis auf Kawasaki. Weil Mertens sechster wurde und Pirovano mit einem Motorschaden ausfiel, trennten die beiden Anwärter auf den Vize-Titel nur noch 12 Punkte.

Baldassare Monti (Rumi Honda) – der Teamkollege des Vorjahres-Weltmeisters Fred Merkel landete in der WM zwei Plätze hinter diesem auf dem sechsten Schlussrang. Im folgenden Jahr sollte es deutlich weniger gut für den Italiener mit dem Berg im Namen laufen (© WorldSBK).

Viele Stürze und Ausfälle im letzten Rennen
Der zweite und letzte Lauf der Saison war von zahlreichen Ausfällen und Stürzen geprägt. Zu den Sturzopfern gehörten Stéphane Mertens (Honda), Rob McElnea und Daryl Beattie. Ersterer verspielte damit die letzte Chance um den Vize-Titel im Kampf mit Pirovano, der als vierter die Ziellinie kreuzte. Raymond Roche musste seine Ducati nach 13 Runden mit Motorschaden abstellen. Davor hatte der Franzose mit 1:08,390 noch die schnellste Runde des Tages gefahren. Das Rennen wurde vom Aussie Rob Phillis auf seiner Kawasaki gewonnen, der 6,12 Sekunden vor Terry Rymer als Laufsieger des 1. Rennens die Ziellinie kreuzte. Knappe 10 Sekunden später sah Lokalmatador Aaron Slight die karierte Flagge. Die Kawasaki-Fahrer Phillis und Slight sollten in den folgenden Jahren eine prägende Rolle in der WorldSBK spielen.

Raymond Roche, der erste Weltmeister auf Ducati und aus Frankreich. Mit 8 Laufsiegen im Gegensatz zu seinem Vorgänger Fred Merkel (2 im Jahr 1988 und je 3 in 1989 und 1990) auch diesbezüglich der erfolgreichste Fahrer der Saison 1990 als Titelträger (© WorldSBK).
Giancarlo Falappa, der Ducati-Teamkollege von Roche) – beim ersten Lauf in Mosport verletzte sich der schnelle Italiener bei einem Sturz in der 15. Runde und musste bis zur 7. Runde auf dem Österreich-Ring pausieren. Im Qualifying von Spielberg verunfallte Falappa ausgerechnet an seinem Geburtstag schwer. Aber im Jahr darauf kehrte er gegen den Rat seiner Ärzte wieder zurück (© WorldSBK).

Rangliste der Superbike Weltmeisterschaft 1990 – P1 bis 42

Doug Chandler – der US-Amerikaner trat nur bei zwei Events in der Superbike WM 1990 an, doch mit 2 Siegen und zwei dritten Plätzen vermochte der Kawasaki Pilot sehr zu beeindrucken. Drei Jahre davor war er in der AMA Superbike Meisterschaft noch fünfter hinter Wayne Rainey, Kevin Schwantz, Bubba Shobert und Doug Polen geworden. In der Dirt Track Meisterschaft war er damals gleichzeitig Dritter geworden (© WorldSBK).

Rang 43 bis 81

Hersteller WM 1990

Scott Russell (Kawasaki) vor Tom Kipp (Yamaha) – der US-Amerikaner gab beim WM-Lauf in Brainerd ein Gastspiel in der Superbike WM und sollte einige Jahre später noch für Furore sorgen (© WorldSBK).

Die WSBK-Siege nach Marken von 1988 bis 1990

Was heute kaum mehr vorstellbar ist: Damals waren 3 Hersteller exakt punktgleich mit je 16 Siegen. Erstaunlich war dies aber nach den drei ersten Jahren der WorldSBK nicht. Eher schon dabei die Tatsache, dass mit Suzuki ausgerechnet die Marke weit hinten lag, welche 1985 mit der legendären GSX-R750 das erste Superbike der Japaner überhaupt auf den Markt gebracht hatte. Davor waren vor allem die Fahrwerke der sportlichen Bikes aus Fernost gelinde ausgedrückt eine Zumutung.

Exakt aus dem zuletzt genannten Grund begründete sich in den 80-er Jahren der Erfolg der italienischen Marke Bimota, die damals mit dem 5-Ventil Vierzylinder-Reihenmotor von Yamaha antraten. Aber die Japaner lernten schnell und legendäre Fahrwerks-Konstrukteure wie Bimota, Egli (Schweiz) und Harris (England) bekamen dadurch zusehends Probleme.

Das WorldSBK-Jahr 1991: http://www.motoracers.eu/wsbk-story-teil-7/